Geschichte
Der Agbada gehört zu einer größeren Familie weiter Männergewänder in Westafrika, zu der auch die Babban Riga der Hausa und der Grand Boubou im Senegal und seinen Nachbarländern zählen. Solche Gewänder werden oft mit der Ausbreitung des Islam und dem Fernhandel durch die Sahara in Verbindung gebracht. Die genaue Herkunft des Agbada der Yoruba ist kaum belegt, er lässt sich daher am besten als Teil dieser gemeinsamen regionalen Tradition verstehen.
Bei den Yoruba wurde der Agbada zum förmlichsten Teil der Männerkleidung. Ein so großes Gewand braucht viel Stoff, und Ausführungen aus handgewebtem Stoff mit reicher Stickerei waren teuer. Deshalb gilt der Agbada seit Langem als Zeichen von Ansehen und wird mit Oberhäuptern und wichtigen Anlässen verbunden. Heute tragen ihn Männer ganz unterschiedlicher Herkunft in ganz Nigeria.
Bestandteile
Ein vollständiges Agbada-Ensemble besteht meist aus vier Teilen:
- Agbada: das Obergewand. Es ist sehr weit, an den Seiten offen und lang, oft bis unter die Knie. Halsausschnitt und Vorderseite sind meist bestickt, und auf der Brust sitzt häufig eine Tasche.
- Buba: ein weites, meist langärmeliges Hemd, das unter dem Gewand getragen wird.
- Sokoto: eine Hose, die zum Knöchel hin oft schmaler wird und an der Taille gebunden ist.
- Fila: eine Kappe. Verbreitet sind etwa die Gobi, eine weiche, hohe Kappe, die der Träger selbst in Form drückt, und die Abeti Aja, eine Kappe mit seitlichen Klappen, die an Hundeohren erinnern sollen. Wie schräg man die Kappe trägt, ist eine Frage des persönlichen Stils.
Stoffe und Arten
Die angesehensten Agbada werden aus Aso Oke gefertigt, einem Stoff, der in schmalen Streifen von Hand gewebt und dann zusammengenäht wird. Zu den klassischen Aso-Oke-Arten zählen Etu (dunkles Indigo), Sanyan (eine beige Seide) und Alaari (ein tiefes Rot). Viele Agbada entstehen auch aus Damast, Brokat, Spitze oder Baumwolle, bestickt von Hand oder mit der Maschine.
Die Bandbreite reicht von schweren, reich bestickten Gewändern für Zeremonien bis zu leichteren, schlichteren Ausführungen für heißes Wetter. Gewand, Hemd, Hose und Kappe werden oft aus demselben Stoff geschnitten, manche Männer wählen aber bewusst eine Kappe oder ein Hemd in Kontrastfarbe.
So wird er getragen
Zuerst zieht man Buba und Sokoto an, darüber kommt der Agbada. Weil das Gewand so weit ist, rafft der Träger den Stoff auf beiden Seiten und schlägt ihn auf die Schultern, damit die Arme frei sind. Die Falten immer wieder zurechtzurücken gehört zum Tragen eines Agbada dazu.
Die Kappe vervollständigt das Ensemble, dazu Ledersandalen oder Schuhe. Zu wichtigen Anlässen kommen manchmal Perlenketten, ein Spazierstock oder ein Handfächer hinzu, besonders bei Oberhäuptern und älteren Männern. Familien kleiden Väter und Söhne manchmal gleich, wie auf dem Foto oben.
Wann man ihn heute trägt
Der Agbada wird vor allem zu besonderen Anlässen getragen:
- Hochzeiten, vom Bräutigam, den Vätern des Paares und von Gästen
- Namensgebungsfeiern und Geburtstage
- Zeremonien zur Amtseinführung von Oberhäuptern und Krönungen
- Beerdigungen und Gedenkfeiern
- religiöse Feste und Gottesdienste, etwa zu Eid und Weihnachten
- politische Veranstaltungen und offizielle Empfänge
Im Alltag bevorzugen viele Männer Buba und Sokoto allein oder einen Kaftan. Bei vielen Feiern tragen Gäste einen Agbada aus Aso Ebi, einem von den Gastgebern ausgewählten Stoff. Auf der Seite Traditionelle Kleidung in Nigeria erfährst du, welche Rolle der Agbada bei traditionellen Hochzeiten spielt.




