Geschichte
Zu den frühesten Darstellungen koreanischer Kleidung gehören Wandmalereien in Gräbern des Königreichs Goguryeo, eines der Drei Reiche des alten Korea. Sie zeigen Männer und Frauen in hüftlangen, an der Taille gebundenen Jacken, dazu Hosen oder Faltenröcke. Diese zweiteilige Grundform hat der Hanbok bis heute. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Hofkleidung zeitweise von chinesischen Moden beeinflusst, in der Goryeo-Zeit auch von der mongolischen Yuan-Dynastie. Die Alltagskleidung behielt dagegen ihre eigenen Formen.
Den Hanbok, wie man ihn sich heute vorstellt, prägte vor allem die Joseon-Dynastie (1392–1897). In dieser Zeit wurde der Jeogori der Frauen immer kürzer und enger, während die Chima weiter wurde und höher saß. Das Wort Hanbok selbst ist recht jung: Es kam etwa Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts auf, um koreanische Kleidung von der westlichen zu unterscheiden, die sich damals verbreitete. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde der Hanbok von der Alltagskleidung zur Kleidung für Feiertage und Zeremonien.
Die Bestandteile
- Jeogori: die kurze Jacke für Frauen und Männer. Sie hat einen geschwungenen Kragen (Git), der meist mit einem weißen Streifen (Dongjeong) eingefasst ist. Traditionell wurde dieser nur angeheftet, damit man ihn zum Waschen abnehmen konnte.
- Goreum: die beiden langen Bänder, mit denen der Jeogori vorn geschlossen wird. Wie sie gebunden sind, fällt an einem Hanbok besonders ins Auge.
- Chima: ein Wickelrock für Frauen, an einem breiten Bund in Falten gelegt und hoch gebunden. Unterröcke (Sokchima) geben ihm seine weite, glockenartige Form.
- Baji: eine weite Hose, vor allem für Männer, die an der Taille und oft auch an den Knöcheln mit Bändern (Daenim) gebunden wird.
- Durumagi: ein langer Mantel, den man zum Ausgehen oder zu förmlichen Anlässen über allem anderen trägt.
- Jokki und Magoja: eine Weste und eine kurze Überjacke, die im späten 19. Jahrhundert Teil der Männerkleidung wurden.
So wird er getragen
Ein Hanbok für Frauen wird von innen nach außen angezogen. Zuerst kommen die Unterkleider, dann die Chima, die um den Körper gewickelt und deutlich oberhalb der Taille gebunden wird. Darüber zieht man den Jeogori an. Die Goreum werden zu einer einzelnen Schlaufe mit zwei langen, herabhängenden Enden geknüpft; dieser Knoten braucht etwas Übung. Oft hängt ein Norigae, ein Anhänger mit Quasten, an den Bändern oder am Rockbund.
Männer tragen die Baji mit einem Jeogori, oft auch mit Weste und Überjacke, und ziehen zum Ausgehen den Durumagi an. Weiße Baumwollsocken (Beoseon) und Schuhe mit leicht nach oben gebogener Spitze gehörten traditionell zu beiden Varianten. Heute tragen viele Menschen den Hanbok mit gewöhnlichen Schuhen, und Leih-Hanboks sind oft so geschnitten, dass man sie mit einfacheren Verschlüssen schnell anziehen kann.
Anlässe und Stile heute
Heutige Hanboks lassen sich grob in drei Gruppen einteilen:
- Traditionelle Hanboks, oft aus Seide und maßgeschneidert, für Hochzeiten, den ersten Geburtstag eines Kindes (Dol), den 60. Geburtstag eines Elternteils (Hwangap) und die großen Feiertage.
- Moderne Alltags-Hanboks (Saenghwal-Hanbok) mit schlichteren Schnitten, kürzeren Röcken und waschbaren Stoffen, die manche Menschen bei der Arbeit, in der Freizeit oder als Mode tragen.
- Leih-Hanboks, beliebt bei Reisenden und jungen Koreanerinnen und Koreanern, vor allem für einen Besuch der Königspaläste in Seoul.
Zu Seollal und Chuseok tragen viele Familien Hanbok, und bei vielen Hochzeiten ziehen das Brautpaar und die Mütter ihn für einen Teil des Tages an. Auf der Seite Traditionelle Kleidung in Südkorea erfährst du mehr über Hochzeitsbräuche wie den Pyebaek und das Brautgewand Hwarot. Weitere ostasiatische Gewänder findest du auf den Seiten zum Kimono und zum Qipao.




