Zum Inhalt springen
Traditional
Clothing Hub
English

Dirndl: Geschichte, Arten und Trageweise

Zuletzt aktualisiert:

Das Dirndl ist ein traditionelles Kleid aus Bayern und dem Alpenraum, bestehend aus eng anliegendem Mieder, weitem Rock, kurzer Bluse und Schürze. Früher Arbeitskleidung der Frauen auf dem Land, wird es heute vor allem zu Festen, Hochzeiten und anderen Feiern getragen.

Junge Frau im Dirndl mit rotem Mieder, weißer Puffärmelbluse und rot-weiß karierter Schürze, in der Hand ein Strauß mit rosa Rose und Schleierkraut, dahinter rotes Herbstlaub
Bild: Ahmet Yüksek, Unsplash · Unsplash License

Geschichte

Dirndl ist im Bairischen und Österreichischen die Verkleinerungsform von Dirn und bedeutet „Mädchen“ oder „junge Frau“; das Kleid hieß ursprünglich Dirndlgewand. Im 19. Jahrhundert trugen Bäuerinnen und Mägde im Alpenraum ein einfaches, praktisches Gewand dieser Art: Mieder und Rock aus festem Baumwoll- oder Leinenstoff, darüber eine Schürze zum Schutz.

Im späten 19. Jahrhundert entdeckten wohlhabende Stadtfamilien, die den Sommer in den Alpen verbrachten, das Kleid bei der Sommerfrische als ländliche Urlaubskleidung für sich. Schneidereien und Modehäuser fertigten bald feinere Ausführungen, und in den 1920er- und 1930er-Jahren war das Dirndl zu einem eigenständigen Modekleid geworden, befördert auch durch Bühnenstücke und Filme mit alpenländischem Schauplatz.

Die Nationalsozialisten vereinnahmten die Tracht für ihre Ideologie, und nach 1938 wurde Jüdinnen und Juden in Österreich, etwa in Salzburg, das Tragen von Tracht verboten. Nach dem Krieg blieb das Dirndl noch eine Weile beliebt, galt dann aber vielen Jüngeren als altmodisch. Seit den 1990er-Jahren erlebt es, vor allem rund um das Oktoberfest, einen deutlichen Aufschwung.

Die Bestandteile

  • Mieder: das eng anliegende Oberteil, vorne mit Haken, Knöpfen, Schnürung oder Reißverschluss geschlossen. Meist ist es mit dem Rock vernäht, sodass das Kleid selbst aus einem Stück besteht.
  • Rock: an der Taille gereiht oder in Falten gelegt und nach unten weit. Traditionelle Dirndl reichen mindestens bis zur Wade; in der Trachtenmode gibt es sie auch knielang oder kürzer.
  • Dirndlbluse: eine kurze, meist weiße Bluse, die unter dem Kleid getragen wird. Die Ärmel reichen vom kleinen Puffärmel bis zum langen Arm für Kirchgang und kühlere Jahreszeiten.
  • Schürze: um die Taille gebunden, meist etwas kürzer als der Rock und oft in einer Kontrastfarbe oder mit eigenem Muster.
  • Dazu: Strickjacke oder Janker, ein Schultertuch, eine Halskette und flache Schuhe.

Alltags- und Festtagsdirndl

  • Alltags- oder Arbeitsdirndl: aus Baumwolle oder Leinen, mit schlichten Karos, Streifen oder kleinen Drucken und einer praktischen Schürze.
  • Festtagsdirndl: aus Seide, Brokat oder feiner Wolle, oft in satteren Farben und manchmal mit Stickerei oder Borten, für Kirchgang und Feiern.
  • Brautdirndl: ein besonders aufwendiges Festtagsdirndl, häufig aus Seide.
  • Regionale Dirndl: Viele Täler und Landkreise in Bayern und Österreich haben ihre eigenen Farben, Stoffe und Schnitte, die von örtlichen Trachtenvereinen dokumentiert und gepflegt werden.
  • Modedirndl: moderne Entwürfe in jeder Farbe, jedem Stoff und vielen Rocklängen, vor allem für die Wiesn und andere Volksfeste.

So wird es getragen

Zuerst zieht man die Bluse an, dann das Kleid, das vorne geschlossen wird. Zuletzt kommt die Schürze, die mit einer Schleife gebunden wird. Nach einer heute weit verbreiteten Regel verrät die Schleife den Beziehungsstatus: links für ledig, rechts für verheiratet oder vergeben, hinten für verwitwet. Diese Regel wird oft zitiert, ihr Alter ist aber unklar, und viele überlieferte regionale Trachten kennen sie nicht.

Zum Dirndl trägt man meist flache Schuhe oder Ballerinas, bei kühlerem Wetter eine Strickjacke, einen Janker oder ein Tuch. Das Foto oben zeigt eine typische Kombination: rotes Mieder, weiße Puffärmelbluse und karierte Schürze.

Wann man es heute trägt

In Bayern und Österreich trägt man das Dirndl auf dem Oktoberfest und anderen Volksfesten, bei Hochzeiten und Taufen, an kirchlichen Feiertagen, bei Dorffesten und Veranstaltungen der Trachtenvereine. In traditionellen Wirtshäusern und Bierhallen gehört es für viele Bedienungen zur Arbeitskleidung, und manche Frauen ziehen es auch für den Sonntagsgottesdienst oder Familienfeiern an. Außerhalb des Alpenraums sieht man es vor allem bei Oktoberfesten und ähnlichen Veranstaltungen.

Auf der Seite Traditionelle Kleidung in Deutschland erfährst du, zu welchen Festen das Dirndl besonders häufig getragen wird, und lernst die ganz anderen regionalen Trachten in anderen Teilen Deutschlands kennen.

Weitere Kleidungsstücke entdecken

  • Mann in einem weiten, blassblau-weißen Agbada mit passender Kappe, der seinen kleinen Sohn im Arm hält, der ebenfalls in Weiß mit Kappe gekleidet ist, an einem Strand

    Agbada

    Weites, fließendes Gewand der Yoruba, getragen über Buba-Hemd und Sokoto-Hose, mit Fila-Kappe.

  • Frau von hinten auf einem Zebrastreifen in Seoul, in einem pastellfarbenen Hanbok mit cremefarbener Jacke, weitem lavendelfarbenem Rock und Blumen im Haar

    Hanbok

    Koreas zweiteilige Tracht aus kurzer Jeogori-Jacke und weitem Chima-Rock oder Baji-Hose.

  • Roter Furisode-Kimono mit langen, schwingenden Ärmeln, bestickt mit Phönixen, Kirschblüten, Pfingstrosen und Ahornblättern

    Kimono

    Japans T-förmiges Gewand, links über rechts gewickelt und mit einem Obi gebunden.

  • Flach ausgelegter, gewebter Wollponcho mit senkrechten roten und dunkel blaugrünen Streifen, aus zwei in der Mitte verbundenen Bahnen mit Kopföffnung

    Poncho

    Gewebtes Tuch mit Kopföffnung, in den ganzen Anden verbreitet, oft aus Alpaka-, Lama- oder Schafwolle.