Geschichte
Der Mandarin-Name Qipao (旗袍) bedeutet „Bannergewand“. Er geht auf die Qiren zurück, die „Bannerleute“: So nannte man die Mandschu und andere Angehörige der Acht Banner der Qing-Dynastie (1644–1912). Mandschurische Frauen trugen damals lange, weite Gewänder, die gerade von den Schultern fielen. Der kantonesische Name Cheongsam (長衫) bedeutet „langes Gewand“ und ist in Hongkong und im Englischen verbreitet. Im Kantonesischen kann er auch ein langes Männergewand bezeichnen.
Das Qipao in seiner heutigen Form kam in den 1920er-Jahren in Shanghai und anderen Städten der Republik China auf. Die ersten Modelle waren recht weit und lang. Manche Historikerinnen und Historiker sehen ein Vorbild im langen Männergewand (Changpao), das einige Frauen als Zeichen eines modernen, gebildeten Stils übernahmen. Ende der 1920er- und in den 1930er-Jahren griffen Schneider Techniken der westlichen Damenschneiderei auf. Das Qipao wurde enger, die Ärmel wurden kürzer oder fielen ganz weg, und Saumlänge und Schlitze wechselten mit der Mode. Studentinnen, Büroangestellte, Filmstars und Damen der Gesellschaft trugen es gleichermaßen, und auf Werbeplakaten war es allgegenwärtig.
Nach 1949 verschwand das Qipao auf dem chinesischen Festland weitgehend aus dem Alltag, während Schneider, die nach Hongkong und Taiwan gegangen waren, das Handwerk weiterführten. In den 1950er- und 1960er-Jahren war es für viele Frauen in Hongkong Alltags- und Arbeitskleidung; das Kleid auf dem Foto oben stammt aus dieser Zeit. Seit dem späten 20. Jahrhundert ist es auch auf dem Festland als festliche Kleidung zurückgekehrt.
Merkmale und Stile
Die meisten Qipao haben einige Merkmale gemeinsam:
- Einen Stehkragen (Mandarinkragen), der steif ist und eng am Hals anliegt.
- Eine vordere Öffnung, die vom Kragen schräg zur rechten Achsel und dann an der rechten Seite hinunter verläuft.
- Knebelknöpfe (Pankou), geknotete Stoffverschlüsse, oft in Form von Blüten oder anderen Motiven. Viele moderne Qipao haben zusätzlich einen verdeckten Reißverschluss.
- Seitenschlitze, die das Gehen in dem engen Kleid erleichtern.
- Eine Paspelierung in Kontrastfarbe an Kragen, Öffnung und Saum.
Unterschiede gibt es vor allem bei der Länge (von knöchellang bis über dem Knie), den Ärmeln (lang, ellenbogenlang, kurz, angeschnitten oder ärmellos) und dem Stoff, von Baumwolle für den Alltag bis zu Seidenbrokat und Samt für festliche Anlässe. Manchmal unterscheidet man einen Shanghai-Stil (Haipai), enger geschnitten und offener für westliche Einflüsse, von einem Peking-Stil (Jingpai), der weiter ist und mehr traditionelle Verzierungen wie breite bestickte Borten hat.
So wird es getragen
Ein klassisches Qipao sitzt eng und ist aus wenig dehnbarem Stoff, deshalb wird es traditionell nach Maß geschneidert. Heute gibt es auch viele Modelle von der Stange, oft aus leicht dehnbarem Stoff und mit Reißverschluss, die sich einfacher anziehen lassen.
Geschlossen wird das Kleid vom Kragen abwärts, wobei die Knebelknöpfe entlang der schrägen Öffnung und der Seite nacheinander geschlossen werden. Dazu trägt man meist geschlossene Schuhe oder Absatzschuhe, bei kühlem Wetter eine Jacke, eine Strickjacke oder ein Tuch. Zu festlichen Anlässen passt schlichter Schmuck, etwa Ohrringe aus Perlen oder Jade.
Wann man es heute trägt
- Hochzeiten: Viele Bräute tragen für die Teezeremonie oder das Festessen ein rotes Qipao, und auch Mütter und Gäste wählen es gern. Auf der Seite Traditionelle Kleidung in China erfährst du mehr über andere Brautkleidung wie den Qun Kwa.
- Neujahrsfest und Familienfeiern, oft in Rot oder anderen festlichen Farben.
- Festliche Veranstaltungen, Galas und Empfänge, bei denen es als chinesische Abendgarderobe dient.
- Uniformen in manchen Hotels und Restaurants sowie an einigen Schulen in Hongkong.
- Bühne, Film und Fotografie, wo es oft für den Stil des Shanghai der 1930er- oder des Hongkong der 1960er-Jahre steht.
Weitere ostasiatische Gewänder findest du auf den Seiten zum Hanbok und zum Kimono.




