Geschichte
Vor der spanischen Eroberung webte man in Mexiko vor allem Baumwolle und andere Pflanzenfasern, meist auf dem Rückengurtwebstuhl. Im 16. Jahrhundert brachten die Spanier Schafe und den Trittwebstuhl ins Land, und während der Kolonialzeit verbreitete sich die Wollweberei auf diesen Webstühlen. Im Sarape verbinden sich, so wird er oft beschrieben, die neuen Materialien und Werkzeuge mit indigenen Gestaltungstraditionen.
Die bekanntesten Sarapes entstanden in und um Saltillo im heutigen Bundesstaat Coahuila. Als Begründer der dortigen Webtradition gelten häufig tlaxkaltekische Siedler aus Zentralmexiko, die Ende des 16. Jahrhunderts neben Saltillo eine eigene Siedlung gründeten. Sarapes aus Saltillo aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert sind fein aus Wolle gewebt, teils auf einer Kette aus Baumwolle, mit einer großen Raute oder einem Medaillon in der Mitte, umgeben von winzigen Zickzack- und Stufenmustern. Das Stück auf dem Foto oben stammt aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Weil der Stil so geschätzt war, wurde „Saltillo“ zur Bezeichnung für ein Muster und nicht nur für einen Ort, und ähnliche Sarapes wurden auch anderswo in Mexiko gewebt. Im 19. Jahrhundert gehörte der Sarape zur Kleidung von Reitern, Viehzüchtern und Reisenden und wurde zu einem Symbol Mexikos. Im 20. Jahrhundert kamen günstigere gestreifte Sarapes auf, oft maschinell oder aus Kunstfasern hergestellt, die als Souvenirs verbreitet sind.
Die wichtigsten Arten
- Klassischer Sarape aus Saltillo: ein feines, dicht gewebtes Textil mit Rautenmedaillon in der Mitte und dichten, kleinteiligen Mustern, früher mit Naturfarben gefärbt.
- Gestreifter Sarape: Bahnen in kräftigen Farben, oft mit Fransen an den Enden. An dieses Muster denken die meisten heute zuerst.
- Weberei aus Oaxaca: Im zapotekischen Ort Teotitlán del Valle weben Handwerkerinnen und Handwerker Sarapes und Teppiche aus Wolle auf Trittwebstühlen, viele mit Naturfarben wie Cochenillerot und Indigoblau und mit geometrischen Mustern.
- Sarape mit Kopföffnung: Manche Sarapes haben in der Mitte einen Schlitz, sodass man sie über den Kopf ziehen kann, ähnlich wie einen Poncho.
So wird er getragen
Meist wird der Sarape gefaltet über eine Schulter gelegt, wie ein Umhang um die Schultern drapiert oder zum Wärmen um den Körper geschlagen. Reiter trugen ihn traditionell über der Schulter oder auf dem Sattel und nutzten ihn nachts als Decke. Einen Sarape mit Schlitz zieht man über den Kopf, sodass er über Brust und Rücken fällt.
Traditionell ist der Sarape ein Kleidungsstück der Männer, während der Rebozo, ein längeres, schmaleres Tuch, das klassische Umschlagtuch der Frauen in Mexiko ist. Als Decke oder Überwurf nutzen Sarapes heute alle.
Wann man ihn heute sieht
Der Sarape gehört zu manchen Kostümen des Folklore-Tanzes, ist an Nationalfeiertagen zu sehen und Teil von Outfits im Charro-Stil. Außerdem dient er als Decke, Tagesdecke, Tischläufer oder Wandbehang, und Saltillo ist bis heute eng mit ihm verbunden. Historische Sarapes aus Saltillo befinden sich in Museumssammlungen in Mexiko und anderen Ländern, so auch das Stück auf dem Foto.
Außerhalb Mexikos wird der Sarape manchmal zusammen mit einem Sombrero als vereinfachtes „mexikanisches“ Kostüm verwendet, was viele Menschen in Mexiko als Klischee empfinden. Wie der Sarape zu Huipil, Rebozo, Charro-Anzug und China Poblana steht, erfährst du auf der Seite Traditionelle Kleidung in Mexiko.




