Traditionelle Frauenkleidung
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Der Sari ist das bekannteste traditionelle Kleidungsstück der Frauen in Indien. Er besteht aus einer ungenähten Stoffbahn von meist fünf bis neun Metern Länge, die um die Taille gewickelt und über die Schulter gelegt wird, getragen über einer eng anliegenden Bluse (Choli) und einem Unterrock. Die heute verbreitetste Drapierung ist der Nivi-Stil, bei dem die Falten vorn eingesteckt werden und das verzierte Ende (Pallu) über die linke Schulter fällt. Bekannte regionale Varianten sind Banarasi-Seidensaris mit Zari-Brokat aus Varanasi, schwere Kanchipuram-Seidensaris aus Tamil Nadu und der neun Yards lange Nauvari-Sari aus Maharashtra, der hosenähnlich zwischen den Beinen hindurchgeführt wird. Mehr dazu auf unserer Sari-Seite.
Neben dem Sari tragen Frauen in Indien weitere traditionsreiche Ensembles:
- Salwar Kameez: ein Zweiteiler aus einer knielangen Tunika (Kameez), einer Hose (Salwar) und einem Schal (Dupatta), der aus dem Punjab stammt und heute landesweit getragen wird.
- Lehenga Choli: ein weit schwingender Rock (Lehenga) mit Bluse (Choli) und Dupatta, in Nordindien besonders zu Hochzeiten beliebt.
- Chaniya Choli: ein mit kleinen Spiegeln verziertes Rock-und-Blusen-Ensemble, das Frauen in Gujarat und Rajasthan zum Garba-Tanz bei Navratri tragen.
- Mekhela Chador: ein Zweiteiler aus Seide, den Frauen in Assam tragen: ein gewickelter Rock (Mekhela) und ein drapiertes Obertuch (Chador).
Traditionelle Männerkleidung
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Die traditionelle Kleidung der Männer umfasst sowohl ungeschnittene Wickeltücher als auch geschneiderte Tuniken:
- Dhoti: ein ungeschnittenes Baumwoll- oder Seidentuch, das um Hüfte und Beine gewickelt wird. Man trägt es in Nord- und Ostindien zu religiösen Zeremonien und Festen.
- Veshti und Mundu: Im Süden tragen Männer traditionelle Hüfttücher, wie den Veshti in Tamil Nadu oder den Mundu in Kerala, häufig aus feiner weißer Baumwolle mit Goldfadenborte (Kasavu).
- Kurta: ein bequemes, knielanges Hemd mit seitlichen Schlitzen, das mit weiten Hosen (Pyjama), engen Faltenhosen (Churidar) oder einem Dhoti kombiniert wird.
- Sherwani: ein knielanger Gehrock mit Stehkragen und durchgehender Knopfleiste, das festlichste Kleidungsstück für Bräutigame und Hochzeitsgäste in Nordindien. Dazu trägt man oft einen Turban (Safa).
- Kediyu: ein an der Brust gerafftes, ausgestelltes Oberteil, das Männer in Gujarat mit engen Hosen und Turban zu Festtänzen tragen.
Regionale Vielfalt
Die Handweberei hat vielen Regionen eigene Stoffe beschert. Bekannte Beispiele sind:
- Banarasi-Saris aus Varanasi in Uttar Pradesh, aus Seide gewebt, mit Brokatmustern aus Gold- oder Silberfaden (Zari).
- Kanchipuram-Seidensaris aus Tamil Nadu, bekannt für schwere Seide und breite Borten in Kontrastfarben.
- Patola aus Gujarat, im Doppel-Ikat-Verfahren gewebt: Kett- und Schussfäden werden vor dem Weben gefärbt.
- Kasavu, der cremeweiße Baumwollstoff mit Goldborte aus Kerala, getragen als Sari oder als zweiteiliges Mundum Neriyathum.
- Mekhela Chador aus Assam, ein Zweiteiler aus gewickeltem Rock (Mekhela) und drapiertem Obertuch (Chador), oft aus einheimischer Seide.
Auch innerhalb einer Region kleiden sich religiöse Gemeinschaften und Adivasi (indigene Gemeinschaften) oft unterschiedlich. Der örtliche Brauch zählt deshalb mehr als jede landesweite Regel.
Hochzeitskleidung
Wie man sich zur Hochzeit kleidet, hängt stark von Region, Gemeinschaft und Familie ab. In vielen Teilen Nordindiens tragen Bräute einen roten oder anders kräftig gefärbten Lehenga oder Sari, oft reich bestickt. Rot gilt dort weithin als Farbe der Ehe und des Glücks. Der Bräutigam trägt häufig einen Sherwani mit Turban.
In Südindien tragen viele Bräute einen Sari aus Kanchipuram- oder anderer Seide, in Kerala viele hinduistische Bräute einen cremefarbenen Kasavu-Sari mit Goldborte. Bräutigame im Süden tragen oft einen Veshti oder Mundu. Viele christliche Bräute in Indien heiraten in einem weißen Sari oder einem weißen Kleid, muslimische Bräute in manchen Regionen in einem Lehenga oder in weit geschnittenen Hosenensembles wie Sharara oder Gharara. Vor vielen Hochzeiten werden Hände und Füße der Braut mit Henna (Mehndi) verziert.
Feste und Feiertage
Neue oder besondere Kleidung gehört zu vielen Festen:
- Diwali: Viele Familien kaufen und tragen neue Kleidung, etwa Saris, Kurtas oder Lehengas.
- Navratri: In Gujarat tragen Frauen beim Garba-Tanz oft eine Chaniya Choli, einen bestickten Rock mit Bluse, manchmal mit kleinen Spiegeln verziert. Männer tragen dazu mitunter den Kediyu, ein kurzes, ausgestelltes Oberteil.
- Durga Puja: In Westbengalen tragen viele Frauen einen weißen Sari mit roter Borte, besonders am letzten Festtag.
- Onam: In Kerala sind Kasavu-Sari und Mundu weit verbreitet.
- Eid: Familien kleiden sich oft neu ein, zum Beispiel mit Kurta, Salwar Kameez oder Sherwani.
Traditionelle Kleidung heute
In den Städten tragen viele Menschen westliche Kleidung zur Arbeit oder in die Schule. Für viele Frauen sind Sari und Salwar Kameez aber weiterhin Alltagskleidung, und die Kurta ist bei Männern wie Frauen beliebt. Am 7. August begeht Indien den National Handloom Day, der handgewebte Stoffe fördern soll, und viele Designerinnen und Designer interpretieren regionale Stoffe und Schnitte neu.





