Geschichte
Drapierte, ungenähte Kleidung hat in Südasien eine lange Geschichte. Skulpturen und Texte aus dem alten Indien zeigen Menschen mit einem um den Unterkörper gewickelten Tuch, manchmal mit einem zweiten Tuch über den Schultern. Das Wort Sari wird meist auf das Sanskrit-Wort śāṭī zurückgeführt, das „Stoffstreifen“ bedeutet.
Lange Zeit trugen viele Frauen in verschiedenen Regionen den Sari ohne Bluse und Unterrock oder mit regionalen Vorformen davon. Eng anliegende Bluse und Unterrock setzten sich in vielen Gegenden im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert durch. In Bengalen wird oft Jnanadanandini Devi aus der Familie Tagore genannt, die dazu beigetragen haben soll, den Sari mit Bluse populär zu machen. Im Lauf des 20. Jahrhunderts verbreitete sich die Nivi-Drapierung weit. Heute wird der Sari in Indien, Bangladesch, Nepal und Sri Lanka getragen, außerdem von manchen Frauen in Pakistan.
Bestandteile eines Saris
- Stoffbahn: der Hauptteil des Saris, einfarbig oder gemustert.
- Borte: gewebte oder bestickte Kanten entlang der Länge, oft in Kontrastfarbe oder mit Metallfaden.
- Pallu: das verzierte Ende, das über die Schulter fällt, meist der aufwendigste Teil. Das Foto oben zeigt das Ende eines Seidensaris von etwa 1875 mit großen Paisleymotiven.
- Bluse: ein eng anliegendes, oft kurzes Oberteil. Viele Saris werden mit einem zusätzlichen Stück passenden Stoffs verkauft, aus dem die Bluse genäht wird.
- Unterrock: ein knöchellanger Rock mit Zugband an der Taille, in den der Sari gesteckt wird.
Regionale Webarten
Saris werden aus Baumwolle, Seide und vielen anderen Fasern gewebt, und viele Regionen haben ihre eigenen bekannten Stile:
- Banarasi (Varanasi, Uttar Pradesh): Seide mit Brokatmustern aus Gold- oder Silberfaden (Zari), eine beliebte Wahl für Hochzeiten.
- Kanchipuram (Tamil Nadu): schwere Seide mit breiten Borten in Kontrastfarben.
- Paithani (Maharashtra): Seide mit Zari, bekannt für Motive wie Pfauen auf dem Pallu.
- Baluchari (Westbengalen): Seide mit einem Pallu, in den Szenen eingewebt sind, oft aus den großen Epen.
- Patola (Gujarat): Doppel-Ikat, bei dem Kett- und Schussfäden vor dem Weben gefärbt werden.
- Chanderi (Madhya Pradesh): ein leichter, durchscheinender Stoff aus Seide, Baumwolle oder einer Mischung aus beidem.
- Kasavu (Kerala): cremeweiße Baumwolle mit Goldborte.
Drapierungen
Derselbe Stoff lässt sich auf viele Arten drapieren:
- Nivi: heute der verbreitetste Stil. Die Falten werden vorn eingesteckt, der Pallu fällt über die linke Schulter.
- Nauvari: eine neun Yards lange Drapierung aus Maharashtra. Der Stoff wird zwischen den Beinen hindurchgeführt und hinten eingesteckt, was ihm eine hosenähnliche Form gibt.
- Gujarati-Stil: Der Pallu wird von hinten über die rechte Schulter nach vorn geführt und hängt vorn herab.
- Kodava-Stil: aus Kodagu in Karnataka, mit hinten eingesteckten Falten und dem Pallu über der rechten Schulter.
So wird er getragen
So legst du einen Sari im Nivi-Stil auf einfache Weise an:
- Zieh die Bluse an und binde den Unterrock fest um die Taille. Der Unterrock wird oft passend zur Farbe des Saris gewählt.
- Steck das schlichte Ende des Saris vorn in den Unterrock und wickle den Stoff einmal um den Körper.
- Führe den Pallu quer über den Oberkörper und über die linke Schulter, sodass er hinten herabfällt.
- Leg den restlichen Stoff in gleichmäßige Falten und steck sie vorn in den Bund.
Viele stecken den Pallu an der Schulter mit einer Nadel an der Bluse fest und fixieren auch die Falten. Einen Sari ordentlich zu drapieren erfordert Übung, und bei festlichen Saris helfen oft Verwandte.
Wann man ihn heute trägt
Für viele Frauen, besonders in manchen Regionen und in der älteren Generation, ist der Sari Alltagskleidung. Andere tragen ihn zu besonderen Anlässen: Hochzeiten, Festen, religiösen Zeremonien, Abschlussfeiern und offiziellen Veranstaltungen. Seidensaris wie Banarasi und Kanchipuram sind eine traditionelle Wahl für Bräute und Hochzeitsgäste. Auf der Seite Traditionelle Kleidung in Indien erfährst du mehr über Brautsaris und andere Hochzeitskleidung.




